Hoch auf der felsigen Landzunge von Bel Drag, direkt über dem Pier der Kleinstadt Tynemouth in der Grafschaft Tyne and Wear, thront das imposante Tynemouth Castle. Seine massiven Mauern und Türme zeugen von einer reichen und ereignisreichen Vergangenheit, die bis zu den Anfängen der britischen Geschichte zurückreicht. Angrenzend an das Schloss liegen die Ruinen des Benediktinerklosters, ein Ort, der von Legenden, königlichen Grabstätten und tragischen Ereignissen geprägt ist. Die Geschichte dieses Ortes ist faszinierend und ereignisreich: von seiner Gründung im 7. Jahrhundert über die normannische Zeit bis hin zu seiner Nutzung als Militärstützpunkt während des Zweiten Weltkriegs.
Die Ursprünge der Abtei: Ein heiliger Ort für Könige und Pilger – Die Ursprünge der Tynemouth Abbey reichen weit in die Geschichte zurück. Historische Quellen datieren ihre Gründung auf das frühe 7. Jahrhundert, möglicherweise auf Initiative von Edwin von Northumbria. Ein besonders bedeutendes Ereignis in ihrer Frühgeschichte war die Bestattung von Oswine, König von Deira, im Jahr 651, der nach seiner Ermordung durch Soldaten von König Oswiu von Bernicia heiliggesprochen wurde. Sein Grab wurde zu einem Wallfahrtsort, der Besucher aus der gesamten Region anzog. Oswine war der erste von drei Königen, die auf dem Klostergelände beigesetzt wurden. Auch König Osred von Northumbria fand hier nach seiner Ermordung im Jahr 792 seine letzte Ruhestätte. Der dritte und wohl bekannteste Monarch, der mit Tynemouth in Verbindung steht, war Malcolm III., König von Schottland. Nachdem er 1093 in der Schlacht von Alnwick getötet worden war, wurde sein Leichnam zunächst im Priorat beigesetzt, bevor seine sterblichen Überreste später nach Schottland überführt wurden. Die drei Kronen im Wappen der Stadt Tynemouth erinnern noch heute an diese königlichen Grabstätten.
Verwüstung durch die Dänen: Ein dunkles Kapitel – Das Priorat war ein beliebtes Ziel für Angreifer, insbesondere für dänische Wikinger, die den Komplex zwischen 800 und 875 mehrfach überfielen. Obwohl die Mönche zuvor ihre Verteidigungsanlagen verstärkt hatten, konnten sie den letzten Angriff nicht abwehren, bei dem die Kirche und das Kloster zerstört wurden. Besonders brutal war das Massaker an den Nonnen von St. Hilda, die dort Zuflucht gesucht hatten. Nach dieser Verwüstung blieb nur die kleine Pfarrkirche „St. Mary“ unversehrt, während das Priorat größtenteils in Trümmern lag.
Die Rückkehr der Normannen und die Wiederbelebung des Priorats – Die Ankunft der Normannen markierte den Beginn eines neuen Kapitels für das Priorat. Graf Toste nutzte den Ort während der Regierungszeit von Eduard dem Bekenner als Festung. Es war jedoch Robert de Mowbray, Graf von Northumberland, der das Priorat Ende des 11. Jahrhunderts wiedererrichtete. Dies führte zu einem Streit mit dem Bischof von Durham, da Mowbray das Priorat der Jurisdiktion der Abtei St. Albans unterstellte. Trotz dieser Konflikte entsandte St. Albans Mönche, um das neue Priorat in Tynemouth wiederzubeleben. Die Burg, die zu jener Zeit vermutlich noch aus einfachen Holz- und Erdwerken bestand, spielte mehrfach eine strategische Rolle. Am bekanntesten ist jedoch die Belagerung der Burg durch Wilhelm II. im Jahr 1095, nachdem Robert de Mowbray gegen den König rebelliert hatte. Die Belagerung dauerte zwei Monate, bevor Mowbray schließlich gefangen genommen und wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Nur wenige Jahre später errichteten die Mönche an dieser Stelle eine neue Kirche, was den Beginn des mittelalterlichen Wiederaufbaus einläutete.
Die mittelalterliche Burg: Steinmauern und königliche Zuflucht – Ein Meilenstein in der Geschichte der Burg war die königliche Erlaubnis, das Gelände mit einer steinernen Umfassungsmauer zu befestigen. Ab 1296 wurden zudem ein Torhaus und ein Vorhof errichtet, wodurch die militärische Verteidigung der Anlage erheblich gestärkt wurde.
Teile dieser beeindruckenden Bauwerke, darunter Abschnitte der 975 Meter langen Mauer und des Torhauses, sind bis heute erhalten geblieben. Später suchte Edward II. Zuflucht auf der Burg, als er vor seinen Feinden fliehen musste. Dieser dramatische Moment inspirierte sogar Christopher Marlowe, der Szenen rund um Tynemouth Castle in sein Theaterstück „Edward II.“ einfließen ließ. Ein weiteres historisches Detail ist die Bestattung seines unehelichen Sohnes Adam FitzRoy im Priorat, der 1322 während eines Feldzugs starb.
Die Reformation und der Niedergang des Klosters – Die Reformation im 16. Jahrhundert bedeutete das Ende der religiösen Nutzung des Klosters. Im Jahr 1538 wurde das Kloster von Heinrich VIII. aufgelöst; die meisten Gebäude wurden abgerissen und die Ländereien verteilt. Das Schloss blieb jedoch im Besitz der Krone, und zum Schutz der Küste wurden neue Befestigungsanlagen errichtet. Später wurde auf der Landzunge ein Leuchtturm zur Unterstützung der Schifffahrt gebaut; er wurde aus Steinen des Klosters errichtet.
Heutige Nutzung und Erhaltung – Während des Zweiten Weltkriegs spielte Tynemouth Castle erneut eine bedeutende Rolle. Es wurden Küstenbefestigungen errichtet, um die Mündung des Tyne vor feindlichen Angriffen zu schützen. Heute sind Organisationen wie English Heritage für die Erhaltung des Schlosses und seiner historischen Stätten verantwortlich. Besucher können die restaurierten Küstenbefestigungen, das Hauptmunitionsdepot und die historischen Gebäude erkunden, die die bewegte Geschichte des Ortes anschaulich veranschaulichen.
Ein Ort voller Geschichten und Legenden – Tynemouth Castle und das Priorat sind mehr als nur Ruinen – sie verkörpern eine lebendige Geschichte, die Jahrhunderte umfasst. Von königlichen Grabstätten und Wikingerüberfällen bis hin zur militärischen Nutzung und der modernen Restaurierung: Dieser Ort spiegelt die bewegte Geschichte Großbritanniens wider. Heute laden die erhaltenen Mauern und Ruinen Besucher dazu ein, in die Vergangenheit einzutauchen und die Mythen und Legenden dieser besonderen Ecke der Welt hautnah zu erleben. Ein Besuch der Stätte ist eine Reise durch Zeit und Geschichte, die faszinierende Einblicke und atemberaubende Ausblicke bietet.
























