An der schroffen Atlantikküste des Baskenlandes erhebt sich Gaztelugatxe majestätisch aus dem Meer. Eine kleine Insel voller Geschichten, Mythen und natürlicher Schönheit. Dieses Juwel des Golfs von Biskaya, eingebettet zwischen den Orten Bermeo und Bakio, ist ein beliebtes Ziel für Abenteurer, Geschichtsinteressierte und Naturliebhaber gleichermaßen. Der Name Gaztelugatxe, der entweder als „Felsburg“ oder „unzugängliche Festung“ interpretiert werden kann, deutet bereits auf den mystischen Charakter dieses Ortes hin.
Eine Reise durch die Geschichte – Die Ursprünge von Gaztelugatxe reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück, wie archäologische Funde belegen. Das heutige Herzstück der Insel, eine kleine Kapelle namens Gaztelugatxeko Doniene (oder San Juan de Gaztelugatxe), wurde jedoch erst 1980 errichtet. Die ursprüngliche Kapelle fiel 1978 einem verheerenden Brand zum Opfer, der einen Teil ihres historischen Bauwerks zerstörte. Der Neubau wurde jedoch nach dem Vorbild der alten Kirche errichtet und dient seitdem als Wallfahrtsort und beliebter Aussichtspunkt. Die Geschichte von Gaztelugatxe ist geprägt von Schlachten, Dramen und Legenden. Im Jahr 1334 war die Insel Schauplatz eines Konflikts zwischen dem Herrn von Biskaya, Juan Núñez III. de Lara, und Alfons XI., König von Kastilien. Im 16. Jahrhundert war die Insel wiederholt Ziel feindlicher Angriffe. Im Jahr 1593 plünderte der berüchtigte Freibeuter Francis Drake die Insel, im Jahr darauf folgten die Hugenotten aus La Rochelle, die Berichten zufolge den damaligen Kapellenwärter ins Meer warfen. Während des Spanischen Bürgerkriegs im Jahr 1937 fand in der Nähe von Gaztelugatxe die Schlacht am Kap Machichaco statt, bei der die Nähe der Insel zum Meer und ihre strategische Lage eine entscheidende Rolle spielten. Diese kriegerischen Ereignisse haben die Geschichte und die mystische Aura der Insel geprägt, die Besucher bis heute spüren können.
Naturwunder und Artenvielfalt – Neben ihrer historischen Bedeutung beeindruckt Gaztelugatxe vor allem durch ihre atemberaubende natürliche Schönheit. Zusammen mit der Nachbarinsel Aketx bildet sie ein geschütztes Meeresbiotop, das sich entlang der Küste von Bakio bis zum Kap Matxitxako erstreckt. Diese Region ist ein Paradies für Seevögel, die auf der unberührten Insel Aketx Zuflucht finden. Auf Gaztelugatxe selbst nisten Vögel wie Basstölpel, Kormorane und Möwen. Der raue Atlantik, der unerbittlich gegen die felsige Küste brandet, hat im Laufe von Jahrtausenden Bögen, Tunnel und Höhlen in den Fels geformt. Diese natürlichen Formationen machen Gaztelugatxe zu einem bemerkenswerten Anblick, der Wanderer und Fotografen gleichermaßen fasziniert. Trotz des oft stürmischen Wetters schafft die umgebende Naturlandschaft eine einzigartige Atmosphäre, die man sonst kaum irgendwo auf der Welt findet.
Eine Herausforderung für Pilger und Wanderer – Der Aufstieg zur Kapelle ist nichts für schwache Nerven. Die 241 Stufen, die vom Festland über eine schmale Fußgängerbrücke und steile Pfade hinauf zur Kapelle führen, stellen eine körperliche Herausforderung dar. Doch die Anstrengung wird mit einer spektakulären Aussicht belohnt. Oben angekommen, erwartet die Besucher ein Panorama über den Golf von Biskaya, das seinesgleichen sucht – die schäumende See, die zerklüfteten Klippen und die böigen Winde vermitteln ein Gefühl von Freiheit und Erhabenheit. Auf alle, die die Kapelle erreichen, wartet eine besondere Tradition: das Läuten der Glocke. Nach baskischem Brauch darf jeder Besucher die Glocke dreimal läuten und sich etwas wünschen. Es heißt, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht. Vogelschützer sind jedoch besorgt, da das laute Läuten der Glocke die in der Umgebung nistenden Vögel stören könnte. Dennoch bleibt dieser Brauch für viele Touristen und Pilger ein Highlight. Wer eine Pause vom Wind und der körperlichen Anstrengung sucht, findet in einem kleinen Unterstand in der Nähe der Kapelle Zuflucht und einen herrlichen Blick auf das Meer. Dieser Ort ist im Sommer besonders beliebt für Picknicks.
Eine Inspirationsquelle für Kunst und Medien – Gaztelugatxe hat nicht nur Pilger und Naturliebhaber inspiriert, sondern auch Künstler und Filmemacher. Zwischen Juli und Oktober 2016 diente die Insel als Drehort für die siebte Staffel der erfolgreichen HBO-Serie „Game of Thrones“. In der Serie fungierte Gaztelugatxe als Kulisse für Dragonstone, die Heimat der Familie Targaryen. Obwohl die Burg auf der Insel digital hinzugefügt wurde, werden Fans die markanten Treppen und die dramatische Kulisse der Insel sofort wiedererkennen. Dieser Auftritt verschaffte Gaztelugatxe weltweiten Ruhm und lockte zahlreiche neue Besucher aus aller Welt an, die die magische Welt von Westeros hautnah erleben wollten.
Praktische Informationen für Besucher – Die Anreise nach Gaztelugatxe ist unkompliziert. Von den nahegelegenen Orten Bermeo und Bakio aus führen gut ausgeschilderte Straßen und Parkplätze, die den Zugang erleichtern. Es empfiehlt sich jedoch, frühzeitig anzureisen, insbesondere in den Sommermonaten, da es sehr voll werden kann. Bequeme Wanderschuhe, wetterfeste Kleidung und ausreichend Wasser sind unerlässlich, um die 241 Stufen und den oft windigen Aufstieg zu bewältigen. Naturliebhaber und Geschichtsinteressierte werden auch Freude daran haben, die umliegende Region zu erkunden. Das nahegelegene Kap Matxitxako und die Strände von Bakio eignen sich ideal für weitere Erkundungen. Darüber hinaus bieten mehrere lokale Unternehmen geführte Touren an, die Einblicke in die Geschichte und Geologie der Region vermitteln.
Ein Ort voller Geheimnisse und Magie – Gaztelugatxe ist weit mehr als nur ein Fotomotiv oder ein Drehort für eine berühmte Fernsehserie. Es ist ein Ort, an dem Natur und Geschichte aufeinandertreffen, ein Ort, der seine Besucher in seinen Bann zieht. Die Kombination aus dramatischer Landschaft, einer bewegten Vergangenheit und spiritueller Bedeutung macht die Insel zu einer der faszinierendsten Sehenswürdigkeiten im Baskenland. Besucher können hier nicht nur die Schönheit der Natur genießen, sondern auch in die reiche Geschichte und die kulturellen Traditionen der Region eintauchen. Gaztelugatxe erinnert uns daran, wie eng die Verbindung zwischen Mensch und Natur sein kann und wie diese Verbindung Orte schafft, die uns für immer in Erinnerung bleiben. Die Felsenburg von Gaztelugatxe ist ein einzigartiger Rückzugsort, der Abenteuer, Kultur und Ruhe vereint – ein absolutes Muss für jeden, der das Baskenland bereisen und entdecken möchte.





















