Eingebettet in die malerische Stadt Hamminkeln in Nordrhein-Westfalen steht die geschichtsträchtige Burg Ringenberg, ein bezauberndes Wasserburgbauwerk, das Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten erzählt. Die Wurzeln von Ringenberg liegen in den strategisch wichtigen Grenzgebieten zwischen der Grafschaft Kleve, dem Kurfürstentum Köln und dem Fürstbistum Münster und reichen bis zu einer Festung aus dem 13. Jahrhundert zurück. Dieses Bauwerk ist jedoch weit mehr als nur Ziegel und Mörtel – es ist die Verkörperung von Mythos, Legende und historischer Intrige.
Die Burg wurde vom freien Herrn und Ritter Sueder III. von Dingden gegründet und erhob sich ursprünglich in der sumpfigen Landschaft von Isselbruch. Sie wurde bewusst so angelegt, dass sie den feudalen Verpflichtungen des Bischofs von Münster entging. Als sich 1247 die politischen Verhältnisse änderten, verbündete sich Sueder III. mit Konrad von Hochstaden, dem Erzbischof von Köln, und löste damit einen heiklen Tanz der Allianzen aus, der die frühe Geschichte von Ringenberg prägen sollte. Mit jedem Jahr, das verging, stand die Burg als Zeugnis für das strategische Geschick ihres Herrn, der geschickt durch die turbulenten Gewässer zwischen mächtigen Rivalen navigierte.
Eine von Sueder III. abstammende Linie übergab die Burg an die Grafen von Kleve, die sie 1329 erweiterten und Ringenberg in einen Wohnsitz verwandelten. Das Projekt war keine Kleinigkeit: Niederländische Experten wurden hinzugezogen, um die umliegenden sumpfigen Gebiete urbar zu machen. Das Ergebnis war eine beeindruckende Festung mit imposanten Rundtürmen, die noch heute als Zeugnis ihrer mittelalterlichen Vergangenheit zu sehen sind.
Während die Annalen der Geschichte einen strukturierten Überblick bieten, sind die Legenden, die sich um Ringenberg ranken, voller Intrigen und Zauber. Es heißt, dass sich unter den Steinböden eine versteckte Kammer befindet, in der alte Schätze von der Geistergestalt Sueder III. selbst bewacht werden, der ewig über sein geliebtes Werk wacht. Diese Geschichten verleihen der Vergangenheit von Ringenberg eine geheimnisvolle Note, beflügeln die Fantasie und ziehen Besucher an, die sich danach sehnen, die Legenden mit eigenen Augen zu sehen.
Ringenberg musste einige Prüfungen bestehen, insbesondere während des Spanisch-Niederländischen Krieges, als spanische Truppen die Festung belagerten und beschädigten. Die Pläne, sie in eine vollwertige Festung umzuwandeln, wurden schließlich aufgegeben. Die dunkelste Stunde kam jedoch während des Dreißigjährigen Krieges, als 1629 niederländische Truppen die Anlage einnahmen und zerstörten. Bis 1635 beklagten zeitgenössische Berichte, dass die Burg „vollständig ruiniert, zerstört und zu einem Haufen Steine reduziert“ sei.
Die Erlösung kam 1648, als die Ruinen Alexander von Spaen, einem treuen Verbündeten des Kurfürsten von Brandenburg, überlassen wurden, der die Burg auf ihren mittelalterlichen Grundmauern wieder aufbaute. Unter Einbeziehung der Überreste der alten Befestigungsanlagen entstand Ringenberg neu als elegantes Barockbauwerk im traditionellen niederländischen Stil. Die Jahreszahl 1661, die stolz auf den Wetterfahnen prangt, markiert die Wiedergeburt der Burg unter der visionären Führung von Spaen.
In den folgenden Jahrhunderten erlebte Ringenberg einen Wechsel der Besitzer, darunter Adelsfamilien wie die Spaens, die Salm-Hoogstraetens und die Plettenbergs, die alle ihre unauslöschlichen Spuren hinterließen. In den turbulenten Zeiten des Siebenjährigen Krieges dienten seine Säle als Quartier für Offiziere und als Unterkunft für Verwundete, während die Französische Revolution flüchtenden Adligen Zuflucht bot. In der Moderne führten die Jahre zwischen den Weltkriegen zu Verfall, dem jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg Revitalisierungsbemühungen folgten.
Eine der faszinierendsten Entdeckungen während der Renovierungsarbeiten war eine bemalte Holzdecke, die seit Generationen unter Schichten von Vernachlässigung verborgen war. Ihre atemberaubenden Blumenmotive und heraldischen Embleme verbinden das heutige Schloss mit seiner lebendigen Vergangenheit und stellen eine greifbare Verbindung zur Kunst des Hochbarocks her.
Ende des 20. Jahrhunderts übertrugen die Eigentümer – überwältigt von den Unterhaltskosten – Ringenberg an die Gemeinde Hamminkeln. Unter strikter Einhaltung der Denkmalschutzgrundsätze begannen 1990 umfangreiche Restaurierungsarbeiten, um das Schloss wieder in seinem Glanz des 17. Jahrhunderts erstrahlen zu lassen. Archäologische Ausgrabungen brachten faszinierende Relikte zutage, die heute im Lagerraum des Schlosses aufbewahrt werden und einen Einblick in das Leben geben, das einst auf dem Schlossgelände herrschte.
Heute ist Schloss Ringenberg nicht nur ein historisches Denkmal, sondern auch ein kultureller Leuchtturm. In seinen barocken Kellern befindet sich ein reizvolles Restaurant, während archäologische Artefakte andere Räume schmücken und neugierige Geister aus aller Welt anziehen. Die elegant restaurierten Prunksäle dienen als malerische Kulisse für Hochzeiten, die vom Standesamt Hamminkeln durchgeführt werden.
Bis 2020 unterhielt die Derik-Baegert-Gesellschaft ein Artist-in-Residence-Programm innerhalb ihrer Mauern und machte Ringenberg zu einem florierenden Zentrum der Kreativität. Hier ließen sich Künstler vom reichen Erbe des Schlosses inspirieren und webten neue Fäden in seinen sich ständig weiterentwickelnden narrativen Teppich.
Die Geister von Ringenberg flüstern durch die Zeit und verschmelzen Geschichte mit Folklore. Sie erzählen von Rittern und Adligen, von erbauten und wiederaufgebauten Festungen, von strategischen Machenschaften und Familienerben. Ob Sie als Geschichtsinteressierter oder als Mythosgläubiger kommen, Ringenberg lädt Sie ein, in eine Welt einzutauchen, in der jeder Stein eine Geschichte hat und jeder Schatten die Stimmen der Vergangenheit widerhallt.



















