Eingebettet in die malerische Landschaft nahe Dresden steht Schloss Moritzburg als Zeugnis der reichen Geschichte Sachsens, ein Gewebe aus Adelsgeschichten, architektonischen Wunderwerken und Flüstern aus der Vergangenheit. Ursprünglich 1542 von Herzog Moritz als Jagdschloss konzipiert, entwickelte sich dieses barocke Meisterwerk mit vier Flügeln im Laufe der Jahrhunderte zu einem Symbol für Opulenz unter August dem Starken. Heute lockt es Besucher nicht nur mit seiner Pracht, sondern auch mit Geschichten, die die Zeit überdauert haben.
Die Entstehung von Moritzburg. Die Ursprünge des Schlosses Moritzburg gehen auf ein Renaissance-Jagdschloss zurück, das nach der Göttin Diana „Dianenburg” genannt wurde und zwischen 1542 und 1546 von Hans Dehn-Rothfelser unter der Leitung von Herzog Moritz erbaut wurde. Dieses beeindruckende Bauwerk mit vier stämmigen Rundtürmen, die durch eine Verteidigungsmauer verbunden waren, legte den Grundstein für eine Residenz von politischer und kultureller Bedeutung. Bis 1550 war es der Verwaltungssitz des Amtes Moritzburg und wurde bis zum Ende des 17. Jahrhunderts mehrfach umgebaut.
Die Entstehung der Kapelle. Zwischen 1661 und 1672 wurde unter der Leitung von Kurfürst Johann Georg II. und dem Architekten Wolf Caspar von Klengel die Schlosskapelle erbaut. Der Grundstein für das aufwendig gestaltete Bauwerk wurde am 1. November 1661 gelegt, dem Geburtstag von Johann Georgs Frau Magdalene Sibylle. Diese protestantische Kapelle sollte später eine bedeutende Veränderung erfahren, nachdem Kurfürst August der Starke 1697 zum Katholizismus konvertiert war und eine katholische Gebetsstätte benötigte. Zu Weihnachten 1699 wurde die Kapelle katholisch geweiht, was ein neues Kapitel in ihrer kirchlichen Geschichte einläutete.
Eine barocke Umgestaltung. Unter der Herrschaft von August dem Starken wurde Moritzburg von 1722 bis 1730 einer umfassenden barocken Renovierung unter der Leitung von Matthäus Daniel Pöppelmann unterzogen. Diese Umgestaltung umfasste den Abriss der Hofmauern, eine erhebliche Erhöhung und Erweiterung des zentralen Gebäudes sowie die Integration von Flügelgebäuden mit Ecktürmen. Umgeben von Terrassen, Rampen und Brücken stand das Schloss majestätisch inmitten neu angelegter Teiche und Tiergehege und verkörperte die Pracht des Dresdner Barockstils. Auch die Schlossgärten entwickelten sich weiter, beeinflusst von der geometrischen Präzision der französischen Landschaftsgestaltung. Obwohl sie aufgrund des Todes Augusts unvollendet blieben, bildeten diese Gärten eine malerische Erweiterung der Pracht des Schlosses und fügten sich nahtlos in die umgebende Wildnis ein.
Das widerstandsfähige Erbe. Im 20. Jahrhundert machte Prinz Ernst Heinrich von Sachsen Moritzburg von 1933 bis 1945 zu seinem ständigen Wohnsitz. Trotz der Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs, in dessen Verlauf während der berüchtigten Bombardierung Dresdens unschätzbare Manuskriptsammlungen zerstört wurden, blieb der Geist von Moritzburg erhalten. Bemerkenswerterweise entdeckten Hobbyarchäologen 1996 im Schlosspark Truhen mit edelsteinbesetzten Goldschmiedearbeiten aus dem Wettiner Schatz. Diese Schätze waren zwar vom Zahn der Zeit gezeichnet, wurden jedoch sorgfältig restauriert und ließen den verlorenen Glanz der Wettiner Dynastie wieder aufleben.
Ein filmischer Zauber. Der märchenhafte Charme von Moritzburg hat es zu einem beliebten Drehort für Filmproduktionen gemacht. Seine bezaubernden Säle und Innenhöfe haben zeitlose Geschichten zum Leben erweckt, darunter vor allem den Klassiker „Drei Nüsse für Aschenputtel“ aus dem Jahr 1972. Jeden Winter findet im Schloss eine Ausstellung zu diesem beliebten Film statt, die Fans anzieht, die die Magie noch einmal erleben möchten. Das Schloss ist nach wie vor eine lebendige Kulisse und dient als Schauplatz für verschiedene Genres, von Liebeskomödien bis hin zu historischen Epen.
Kulturelles und künstlerisches Zentrum. Über seinen filmischen Reiz hinaus ist das Schloss Moritzburg ein Leuchtturm der Kultur und Kunst. Es ist Gastgeber des 1993 gegründeten Moritzburger Festivals, bei dem sich jedes Jahr Kammermusikliebhaber unter der künstlerischen Leitung des Cellisten Jan Vogler versammeln. Das Schlossgelände ist nicht nur für Musiker gedacht, sondern wird seit 2002 zweimal jährlich durch das Bildhauersymposium mit dem Klang von Meißeln zum Leben erweckt. Die dort entstandenen Werke schmücken die malerische Landschaft des Schlosses und bilden einen gewundenen Skulpturenpfad durch die angrenzenden Wälder.
Geheimnisse der Sammlungen. Im Inneren des Schlosses werden die Besucher von barocker Eleganz empfangen, von prächtigen Gala-Kutschen bis hin zu aufwendig dekorierten Räumen. Zu den Schätzen des Schlosses gehört der berühmte Federraum, ein exquisites Bett aus den Federn von Pfauen, Fasanen und anderen Vögeln, das in 19 Jahren mühevoll restauriert wurde. Zusammen mit den Exponaten aus Meissener Porzellan mit Jagdmotiven unterstreicht dies die tiefe Verbindung des Schlosses zu seiner jagdlichen Tradition.
Galerie der Jagd. Besonders bemerkenswert ist die umfangreiche Sammlung von Hirschgeweihen des Schlosses, die als eine der beeindruckendsten der Welt gilt. Im Speisesaal sind eine Reihe von Rothirsch-Trophäen ausgestellt, von denen einige über 400 Jahre alt sind, darunter das schwerste bekannte Rothirschgeweih mit einem Gewicht von fast 20 kg. In anderen Räumen sind einzigartige und antike Trophäen zu sehen, darunter Elch- und Rentiergeweihe und sogar ein 10.000 Jahre altes Riesenhirschgeweih, das Zar Peter der Große geschenkt hat.
Die Echos von Mythen und Legenden. Das vielleicht faszinierendste Element des Schlosses Moritzburg ist seine Fähigkeit, mit Legenden und Mythen die Fantasie anzuregen. Der mit verzerrten Geweihen geschmückte Monstrositäten-Saal lädt zu Geschichten über fehlgeschlagene Jagden und Fabelwesen ein. Besucher können fast die alten Echos von Hörnern hören, die durch den Wald hallen und Jagdgesellschaften in längst vergangenen Zeiten leiteten.
Die Wandteppiche der Zeit. Im Oktober 2022 kehrte ein bedeutendes Kulturgut nach Moritzburg zurück – ein Wandteppich mit der Darstellung von Kaiser Karl V., der 1545 von Seger Bombeck angefertigt wurde. Nach einer Reise über mehrere Kontinente befindet sich dieser Wandteppich nun wieder in Moritzburg und symbolisiert die Widerstandsfähigkeit der Geschichte und das bleibende Erbe des Schlosses.
Architektonische Wunderwerke. Die Integration des Schlosses in die Landschaft ist ein Wunderwerk, mit seiner künstlichen Insel im Schlossweiher, den weitläufigen Kanälen und dem eleganten Hirschhaus im Schneisensystem, das für die Parforcejagd genutzt wird. Diese Merkmale schaffen eine nahtlose Verbindung zwischen Natur und Architektur und verstärken die mystische Atmosphäre, die Moritzburg durchdringt.
Das Schloss Moritzburg ist nicht nur ein Gebäude, sondern ein lebendiges Zeugnis einer vergangenen Ära, voller Geschichten von Größe, Geheimnissen und Widerstandsfähigkeit. Auch heute noch fasziniert es die Herzen derer, die seine Schwelle überschreiten, und lädt sie ein, die Legenden zu entdecken, die in seine Steine eingraviert sind.
























