Hoch über den weiten Feldern der andalusischen Provinz Córdoba erhebt sich eine der beeindruckendsten und am besten erhaltenen Burgen Spaniens: das Castillo de Almodóvar del Río, auch bekannt als Castillo de la Floresta. Diese mächtige Festung, die auf dem markanten Hügel „El Redondo“ – was so viel wie „Der Runde“ oder „Der Sichere“ bedeutet – thront, ist ein architektonisches Zeugnis verschiedener Epochen, Kulturen und Herrscher. Ihre Geschichte reicht von der Antike bis in die Gegenwart und erzählt von Römern, Mauren, christlichen Königen und modernen Restauratoren.
Ein historisches Mosaik: von den Iberern bis zu den Römern – Bevor die Burg, wie wir sie heute kennen, ihre charakteristische Gestalt annahm, war dieser strategisch wichtige Ort wahrscheinlich Standort einer Siedlung der Turdetani, eines iberischen Volkes, das in Südspanien lebte. Diese frühe Siedlung wird als „Cárbula“ identifiziert, ein Oppidum – also ein befestigtes Dorf –, das bereits vom römischen Gelehrten Plinius dem Älteren erwähnt wurde. Archäologische Funde belegen, dass diese Siedlung als wichtiges Handelszentrum für landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Öl und Getreide diente. Zudem blühte hier eine für die Region bedeutende Töpferindustrie, und es gibt Hinweise auf nahegelegene Silberminen, die vermutlich im 2. Jahrhundert v. Chr. zur Prägung eigener Münzen der Siedlung führten. Dieser frühe wirtschaftliche Wohlstand bedeutet, dass der Ort schon lange vor dem Bau der mittelalterlichen Festung von großer Bedeutung war.
Die maurische Epoche: Ursprung des Namens und der Burg – Mit der Ankunft der Mauren im 8. Jahrhundert begann für diesen Ort eine neue Ära. Im Jahr 740 errichteten die Umayyaden auf dem Hügel eine neue Festung, die sie „al-Mudawwar“ nannten – was so viel bedeutet wie „die Runde“ oder „die Geschützte“. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieser Name phonetisch zum heutigen „Almodóvar“. Die Burg wurde Teil des Emirats und später des Kalifats von Córdoba, wodurch sie in den Jahrhunderten zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert zu einem wichtigen militärischen und administrativen Zentrum wurde. Nach dem Zusammenbruch des Kalifats im 11. Jahrhundert gehörte die Festung zunächst zur Taifa von Carmona und später zur Taifa von Sevilla. Während der darauf folgenden Almoraviden- und Almohaden-Dynastien wechselte die Herrschaft mehrmals den Besitzer, doch die Burg behielt stets ihre strategische Bedeutung. Insbesondere ihre Lage auf dem „El Redondo“ mit ihrem ungehinderten Blick über die umliegende Landschaft und den nahegelegenen Guadalquivir machte sie zu einer begehrten Festung.
Mittelalterliche Machtkämpfe und die christliche Eroberung – Die Reconquista, die christliche Rückeroberung der Iberischen Halbinsel, führte im 13. Jahrhundert zu einer weiteren entscheidenden Wende. Im Jahr 1240 gelangte die Burg durch einen Vertrag unter die Kontrolle der Krone von Kastilien. Drei Jahre später übergab König Ferdinand III. die Festung an den Stadtrat von Córdoba, womit ihre Eingliederung in das christliche Herrschaftssystem besiegelt wurde. Unter König Alfons X., auch bekannt als „der Weise“, wurden 1267 die Grenzen zwischen Almodóvar und der benachbarten Gemeinde Posadas festgelegt. Von Bedeutung ist auch, dass im 14. Jahrhundert sowohl König Pedro I. als auch sein Halbbruder Heinrich II. die Burg zeitweise als Residenz nutzten, was ihre politische Bedeutung unterstreicht. Im 15. Jahrhundert ging die Burg in den Besitz mächtiger Adelsfamilien wie der Häuser Baena und Cabra über, die diese Festung zur Sicherung ihrer Einflusssphären nutzten. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts diente das Anwesen von Almodóvar sogar als Sicherheit für den Kauf der Nachbarstadt Fuente Obejuna. Kurz darauf fiel die Burg jedoch wieder an die Krone zurück. Noch im 17. Jahrhundert – genauer gesagt im Jahr 1629 – wurde Almodóvar von König Philipp IV. zum Verkauf angeboten. Der Adelstitel und die Herrschaft gingen an Francisco del Corral y Guzmán, einen Ritter des Ordens von Santiago, über, wodurch die Stadt zu einem Lehensgut wurde.
Architektur und bauliche Entwicklungen – Die heutige Struktur des Castillo de Almodóvar spiegelt die komplexe Geschichte seiner wechselnden Herrscher wider. Es gibt mehrere markante Türme, von denen jeder einzigartige Funktionen und Stile verkörpert. Besonders hervorzuheben sind der „Cuadrada“-Turm (rechteckig), der „Redonda“-Turm (rund) und der „Torre del Homenaje“ (Bergfried oder Hauptturm), der das Herzstück des Verteidigungskomplexes bildet. Die Festung wurde mehrfach umgebaut und verstärkt, insbesondere im Mittelalter, als sich militärische Technologien und Taktiken weiterentwickelten. Mauern wurden verbreitert, Schießscharten hinzugefügt und Innenhöfe angelegt, die sowohl Verteidigungszwecken als auch dem Komfort der Herrscher dienten. Maurische Architektur vermischt sich hier mit gotischen und später frühneuzeitlichen Elementen, was das Castillo zu einem einzigartigen Zeugnis der spanischen Architekturgeschichte macht.
Wiederentdeckung und Restaurierung im 20. Jahrhundert – Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war das Castillo de Almodóvar del Río verfallen und lag teilweise in Trümmern. Dies änderte sich ab 1901, als Rafael Desmaissières y Farina, der 12. Graf von Torralva, die Initiative ergriff und eine umfassende Restaurierung der Burg in die Wege leitete. Unter der Leitung des renommierten Architekten Adolfo Fernández Casanova wurde mit viel Liebe zum Detail daran gearbeitet, den mittelalterlichen Charakter des Gebäudes wiederherzustellen. Die Arbeiten zogen sich über Jahrzehnte hin, erstreckten sich über die Lebenszeiten des Grafen und seines Architekten und fanden 1936 mit dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs ihr vorläufiges Ende. Trotz der Unterbrechungen prägt die Restaurierung bis heute das Erscheinungsbild des Castillo. Seit den 2000er Jahren befindet sich die Burg wieder in Privatbesitz; derzeit gehört sie Miguel Ángel de Solís y Martínez Campos, dem 11. Marqués de la Motilla, der die kulturelle und historische Bedeutung der Burg bewahrt und fördert.
Das Castillo heute: Tourismus, Kultur und Legenden – Das Castillo de Almodóvar del Río ist heute eine der meistbesuchten historischen Sehenswürdigkeiten in der Provinz Córdoba. Die Burg ist nicht nur ein touristisches Highlight, sondern auch ein beliebter Schauplatz für kulturelle Veranstaltungen, historische Feste und sogar Filmproduktionen – Teile der Serie „Game of Thrones“ wurden hier gedreht. Neben den dokumentierten historischen Fakten ranken sich zahlreiche Legenden um die Burg. Einige erzählen von versteckten Schatzkammern und Geheimgängen, die einst den Herrschern als Fluchtwege dienten. Andere berichten von nächtlichen Erscheinungen und alten maurischen Fluchgeschichten, die der Burg eine mystische Aura verleihen und die Fantasie der Besucher beflügeln.
Ein lebendiges Denkmal der Geschichte Andalusiens – Das Castillo de Almodóvar del Río ist weit mehr als nur eine alte Festung auf einem Hügel. Es ist das sichtbare Erbe einer jahrtausendealten Geschichte – von den Turdetani über die römische Antike und die Mauren bis hin zu den christlichen Königen Spaniens. Seine Mauern erzählen Geschichten von politischen Machtkämpfen, architektonischer Kreativität und dem ständigen Wandel einer Region im Herzen Andalusiens. Seine Restaurierung im 20. Jahrhundert und sein heutiger Status als kulturelles Wahrzeichen machen das Castillo zu einem Symbol für die Bewahrung und Wertschätzung des historischen Kulturerbes. Wer sich heute auf den Weg nach Almodóvar del Río macht, taucht in ein faszinierendes Kapitel der spanischen Geschichte ein, erlebt die Spuren vergangener Welten und lässt sich von der Atmosphäre einer Burg verzaubern, die einst „al-Mudawwar“ – „die Runde“, „die Sichere“ – hieß und noch immer stolz auf ihrem roten Hügel thront.























