Das Schloss von Ussé liegt in der malerischen französischen Ortschaft Rigny-Ussé am Südufer der Indre, unweit der Loire, und ist weit mehr als nur ein architektonisches Meisterwerk. Es ist ein Ort, an dem Geschichte und Märchen verschmelzen, ein echtes Märchenschloss, das die Fantasie vieler Generationen beflügelt hat und nach wie vor ein beliebtes Touristenziel ist.
Auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Festung aus dem 11. Jahrhundert erbaut, hat sich das heutige Schloss im Laufe der Jahrhunderte zu einem prächtigen Bauwerk entwickelt, das sowohl Historiker als auch Touristen begeistert. Baumeister wie Jean V. de Bueil und Jacques d’Espinay prägten das Aussehen des Schlosses im 15. und 16. Jahrhundert entscheidend. Aber es waren nicht nur Stein und Mörtel, die Ussé seinen ikonischen Status verliehen, sondern auch die Legenden und Geschichten, die das Schloss umgeben und es zu einem mystischen Ort machen.
Eine der berühmtesten Geschichten im Zusammenhang mit dem Schloss Ussé ist die Inspiration, die Charles Perrault hier für sein weltberühmtes Märchen „Dornröschen” fand. Die malerische Umgebung und die romantische Atmosphäre des Schlosses müssen dem französischen Schriftsteller während seines Aufenthalts magisch vorgekommen sein. Mit seinen zahlreichen Türmen und dekorativen Elementen erinnert das Schloss in der Tat an die Kulissen klassischer Märchen. Wer durch seine prächtigen Säle schlendert oder seine bezaubernden Barockgärten bewundert, kann leicht nachvollziehen, wie diese Umgebung die Fantasie eines Autors beflügeln konnte.
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt des Schlosses von Ussé ist seine strategisch günstige Lage zwischen den historischen Regionen Anjou und Blois. Dies machte es im Laufe der Jahrhunderte zu einem begehrten und oft umkämpften Ort. Die Region war bereits in der galloromanischen Zeit besiedelt, wie archäologische Funde belegen. Die bewegte Geschichte des Schlosses spiegelt sich nicht nur in den zahlreichen Umbauten und Erweiterungen wider, sondern auch in den verschiedenen Eigentümerfamilien, die sich im Laufe der Jahrhunderte ablösten, unter anderem aufgrund der ständigen Konflikte und Machtspiele.
Schließlich erwarb Thomas Bernin, Marquis von Valentinay, das Anwesen im Jahr 1659. Unter ihm und seinem Sohn Louis I. erfuhr die Schlossanlage grundlegende Veränderungen, die ihr das heutige Aussehen verliehen. Nicht nur die Architektur prägte das Schloss, auch die Gärten wurden vom berühmten Landschaftsarchitekten André Le Nôtre im Barockstil gestaltet. Diese Terrassengärten, bekannt als Terrassen von Vauban, sind ein weiteres Highlight eines Besuchs in Ussé und bieten einen atemberaubenden Blick auf das Loire-Tal.
Besonders faszinierend sind die Geschichten der berühmten Dichter und Schriftsteller, die das Schloss im Laufe seiner Geschichte besucht haben. Zu den Gästen von Jeanne-Françoise Le Prestre de Vauban gehörten beispielsweise Jean-Baptiste Rousseau und Antoinette-Thérèse Deshoulières, die regelmäßig zu Besuch kamen. Ihre Schwiegertochter setzte diese Tradition fort und lud Voltaire ein, der von Dezember 1722 bis Februar 1723 im Schloss blieb und einen Teil seines Werks „La Henriade” schrieb.
Claire de Duras, die Ehefrau von Amedée de Durfort, schrieb hier ihre Romane „Ourika” und „Edouard” und wurde nach ihrem Tod in der Schlosskapelle beigesetzt. Auch François-René de Chateaubriand residierte vorübergehend im Schloss Ussé, wo er an seinen berühmten „Mémoires d’outre-tombe” arbeitete. Zu Ehren dieses Ortes pflanzte er zwei Libanonzedern, die noch heute neben der Schlosskapelle stehen.
Das Schloss Ussé beeindruckt nicht nur durch seine historische und literarische Bedeutung, sondern auch durch die Vielfalt der architektonischen Stile, die es vom Mittelalter bis zur Renaissance umfasst. Der Ostflügel weist gotische Merkmale aus dem 15. Jahrhundert auf, während die Fassaden des West- und Südflügels Renaissance-Elemente zeigen. Der Pavillon hingegen ist im klassizistischen Barockstil gehalten.
Die Schlosskapelle, ein Beispiel für sakrale Architektur, erwartet die Besucher mit einer reichen skulpturalen Ausstattung im Renaissancestil und beherbergt wertvolle Kunstwerke wie die Chorbänke der Schule von Jean Goujon und eine Statue der Jungfrau Maria aus emaillierter Terrakotta. Diese Statue wird Luca della Robbia zugeschrieben und befindet sich in der nördlichen Seitenkapelle.
Obwohl viele der Innenräume von den heutigen Eigentümern, den Nachkommen von Bertrand de Blacas, privat genutzt werden, können Besucher in einigen Bereichen des Schlosses Szenen aus dem Märchen „Dornröschen” bewundern. Der Gebäudekomplex ist aus weißem Kalkstein und Schieferdächern erbaut und wirkt dank seiner runden Ecktürme und eines umlaufenden Wehrgangs sehr defensiv. Diese Kombination aus romantischem Charme und historischer Pracht macht das Schloss Ussé zu einem unverzichtbaren Ziel für alle, die in die Welt der Märchen und Legenden eintauchen möchten.
Das Schloss Ussé ist viel mehr als nur ein historisches Gebäude; es ist ein lebendiges Zeugnis vergangener Zeiten, ein Ort der Inspiration für Schriftsteller und Dichter und ein verzauberter Ort, der alle Besucher mit seiner Geschichte und Schönheit in seinen Bann zieht. Ein Besuch im Schloss Ussé ist wie eine Reise in eine Märchenwelt, in der Steine sprechen und Legenden lebendig werden.











