Die Burg Kreuzenstein liegt eingebettet in der malerischen Stadt Leobendorf in Niederösterreich und zeugt von der Widerstandsfähigkeit der Geschichte und der anhaltenden Faszination mittelalterlicher Architektur. Die Geschichte dieser Burg, die ursprünglich im 12. Jahrhundert erbaut wurde, ist geprägt von Wandel, Zerstörung und Wiederaufleben. Seine faszinierende Vergangenheit voller legendärer Persönlichkeiten und dramatischer Ereignisse zieht weiterhin Besucher aus aller Welt in seinen Bann.
Eine Reise durch die Zeit – Die Wurzeln der Burg Kreuzenstein reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, als sie von der Adelsfamilie Formbacher erbaut wurde. Durch Heirat ging die Burg später in den Besitz der Grafen von Wasserburg über. Mit der Zeit gelangte sie 1278 durch den berühmten Ottokar II. von Böhmen in den Besitz der Habsburger Dynastie. Dies war der Beginn einer langen Verbindung mit einem der einflussreichsten Königshäuser Europas. Im Juli 1527 wurde Kreuzenstein zu einem düsteren Kapitel der Religionsgeschichte. Der täuferische Prediger Balthasar Hubmaier wurde innerhalb seiner Mauern gefangen gehalten und verhört. Da er sich weigerte, seine Lehren zu widerrufen, wurde er hingerichtet und am 10. März 1528 in Wien auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dieses Ereignis verdeutlicht die turbulente religiöse Leidenschaft dieser Zeit.
Zerstörung und Verfall – Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) brachte weitreichendes Chaos über Europa, und die Burg Kreuzenstein bildete da keine Ausnahme. Die Burg hielt zahlreichen Belagerungen stand, fiel jedoch schließlich 1645 gegen Ende des Krieges. Die schwedischen Truppen unter Feldmarschall Lennart Torstensson besetzten einen Großteil Niederösterreichs, darunter auch die Burg, ohne Kampf. Am 5. April 1645 übergab Oberst Lukas Spicker die Festung aufgrund unzureichender Verteidigungsmöglichkeiten. Als sich die schwedischen Truppen im September 1645 zurückzogen, befahl Torstensson die Zerstörung von Kreuzenstein. Explosionen, die strategische Punkte auslöschen sollten, hinterließen die einst mächtige Festung in Trümmern. In den folgenden Jahrhunderten plünderten lokale Bauern diese Überreste als Baumaterial, wodurch Kreuzenstein nur noch ein Schatten seiner früheren Pracht war.
Eine visionäre Wiederbelebung – Die letzten Überreste der Burg Kreuzenstein fanden Ende des 19. Jahrhunderts unter der Leitung von Graf Johann Nepomuk Wilczek zu neuem Leben. Die Familie Wilczek, die die Ruinen im 18. Jahrhundert erworben hatte, hatte durch den Kohlebergbau in Schlesien beträchtlichen Reichtum angehäuft. Johann Nepomuk, ein angesehener Polarforscher, startete ein ehrgeiziges Projekt: Er wollte Kreuzenstein als Museum wiederauferstehen lassen, in dem er seine umfangreichen Kunstsammlungen ausstellen konnte. Die Wiederaufbauarbeiten begannen 1874 und dauerten über drei Jahrzehnte, bis die Burg am 6. Juni 1906 feierlich wiedereröffnet wurde. Der Architekt Carl Gangolf Kayser leitete die ersten Phasen bis zu seinem Tod im Jahr 1895, gefolgt von Humbert Walcher von Molthein und dem Künstler Egon Rheinberger. Diese Visionäre integrierten die Überreste des mittelalterlichen Bauwerks sorgfältig mit Materialien aus ganz Europa und schufen so ein „romanisch-gotisches Modellschloss”. Zu den bemerkenswertesten geborgenen Stücken gehörte der Kaschauer Gang, eine elegante Arkade aus der Zeit um 1450. Ursprünglich Teil der St.-Elisabeth-Kathedrale in Košice (Kaschau), Slowakei, fand sie im Innenhof von Kreuzenstein eine neue Bestimmung. Darüber hinaus wurden eine Wendeltreppe aus dem Renaissanceschloss Göllersdorf und eine der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Steinschleudern aus der Festung Hohensalzburg in den Entwurf integriert.
Berühmte Turbulenzen und Widerstandsfähigkeit – Die Wiedergeburt von Kreuzenstein war mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Im Jahr 1915 löste ein Blitzschlag einen Brand aus, der den Archiv- und Bibliotheksflügel teilweise zerstörte. Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ seine Spuren: Das Schloss wurde 1945 bei Kämpfen zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee erheblich beschädigt, was zur Plünderung von Artefakten führte. Viele der Manuskripte von Graf Wilczek befinden sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek. Trotz dieser Rückschläge behielt die Familie Wilczek das Eigentum und setzte die Restaurierung fort, um die historische Integrität der Burg zu gewährleisten. Heute ist die Burg Kreuzenstein ein beliebtes Touristenziel nördlich von Wien. Sie ist Veranstaltungsort und diente sogar als Drehort für Produktionen wie „The Witcher“ von Netflix und „Shardlake“ von Disney+.
Architektonisches Wunderwerk – Die strukturelle Schönheit von Schloss Kreuzenstein wird durch seine eklektische Mischung aus mittelalterlichen und Elementen aus dem 19. Jahrhundert unterstrichen. Umgeben von einer robusten Mauer verfügt das Schloss über Türme unterschiedlicher Höhe, Wohnräume, einen Burggraben und Verteidigungsmauern. Es ist reich an Geschichte und besticht durch raffinierte Steinmetzarbeiten, die im Kontrast zu den wiederverwendeten mittelalterlichen Materialien stehen, die bei genauer Betrachtung erkennbar sind. Die schmale Westfassade mit ihrem polygonalen Nordwestturm und der Giebelfassade der Kapelle beherbergt aufwendig verzierte Maßwerkfenster. Darunter befindet sich ein Kruzifix aus der Zeit um 1520, flankiert von einem polygonalen Glockenturm, der mit Fialen und Zinnen verziert ist. Auf diesem Turm thront eine bronzerne Figur des Heiligen Michael, die im 19. Jahrhundert mit Flügeln, Schwert und Schild versehen wurde. Der Zugang zur Festung erfolgt über eine hohe Bogenbrücke und eine Zugbrücke, die zum Torhaus führen, das mit einem Pechnasenvorsprung ausgestattet ist. Angrenzend liegt der Zwinger – ein typischer Verteidigungshof.
Ein lebendiges Erbe – Das heutige Schloss Kreuzenstein ist ein geschichtsträchtiges Museum und Kulturerbe. Besucher tauchen ein in eine reichhaltige Sammlung von Kunstwerken und Rüstungen und verfolgen das Vermächtnis der Familie Wilczek. Obwohl die jährliche klassische Serenade im Innenhof auf Wunsch des derzeitigen Schlossherrn eingestellt wurde, bleibt das Schloss ein Ort voller Leben, mit öffentlichen Greifvogelvorführungen der Adlerwarte Kreuzenstein und mittelalterlichen Erlebnissen in der Burg Tavern.
So verzaubert die Burg Kreuzenstein auch weiterhin und bietet einen Einblick in das tiefgründige historische Labyrinth Europas. Wenn Touristen durch die geschichtsträchtigen Hallen schlendern, folgen sie den Spuren von Adligen, Kriegern und Visionären, die alle durch die unvergängliche Magie von Kreuzenstein vereint sind.













